Wie erstelle ich einen Futterplan?

Ein Futterplan sollte sich an der Zusammensetzung eines typischen Beutetiers orientieren, ohne die Notwendigkeit, tatsächlich ganze Beutetiere zu verfüttern.

Ein Beutetier besteht in etwa aus

  • 50% Fleisch und Fett  62,5
  • 17,5% inneren Organen 21,9
  • 5% Blut 6,25
  • 7,5% Knochen 8,75
  • 20% unverdaulichen Bestandteile wie Fell/Federn, Klauen/Schnabel, Magen-/Darminhalt
Beim Barfen wird versucht, diese Zusammensetzung weitgehend nachzubilden, wobei praktische Aspekte überwiegen. Welche Futtermittel sind günstig und leicht zu beschaffen? Wie kann ich schlecht verfügbare Futtermittel im Futterplan einfach ersetzen, ohne dass es zu Über- oder Unterversorgung mit notwendigen Inhaltsstoffen kommt?

Beim Prey-Barf wird dagegen versucht, diese Zusammensetzung möglichst exakt nachzubilden. Dazu ist es zwingend notwendig, auch eher minderwertige Futtermittel zu geben.

Wie sieht ein Barf-Futterplan ohne Getreide aus?

Die unverdaulichen Bestandteile ersetzen wir durch püriertes Gemüse und Obst sowie Kräuter. Davon geben wir also zusammen 20% der Gesamtfuttermenge. Die übrigen 80% der Gesamtmenge sind der tierische Bestandteil.

Diesen verteilen wir im Futterplan in etwa wie folgt:
  • 45% Fleisch / Fett / Blut
  • 20% Pansen / Blättermagen
  • 10% Herz
  • 10% Leber / Niere, evtl. Milz oder Lunge
  • 15% rohe fleischige Knochen (macht 7,5% Fleisch/ Fett und 7,5% reine Knochen)

Die tatsächliche Aufteilung kann bis zu 10% davon abweichen, um eine einfachere Verteilung auf die Mahlzeiten zu erreichen. Kurzfristige Abweichungen sind völlig unproblematisch, das Futter sollte bei erwachsenen Hunden nur innerhalb von 4 Wochen möglichst ausgeglichen sein. Ein genaues Abwiegen ist ebenso nicht erforderlich. Auch unterschiedlich große Mahlzeiten (durch unterschiedliche Packungsgrößen oder Überreste) sind nicht nur unschädlich sondern begrüßenswert. In der Natur würde der Hund/Wolf auch nicht jeden Tag Futter in identischer Zusammensetzung und Menge fressen.

Bei Welpen ist bis zum Abschluss der Hauptwachtumsphase eine genauere Einhaltung der Rationen (innerhalb weniger Tage) notwendig, um ein gleichmäßiges Wachstum zu gewährleisten. Diese benötigen jedoch eine etwas andere Zusammensetzung, die hier nicht besprochen werden soll.

Die oben genannte Zusammensetzung im Futterplan entspricht scheinbar nicht der Zusammensetzung eines Beutetiers. Das liegt jedoch daran, dass stark bindegewebshaltige (minderwertige) Futtermittel wie Sehnen, Bänder, Knorpel, Haut, Darm etc. nicht in natürlichen Mengen verfügbar sind und üblicherweise auch nicht verfüttert werden. Diese können in der praktischen Fütterung am einfachsten durch Pansen / Blättermagen ersetzt werden. Diese sind preisgünstig, nährstoffreich und werden im Allgemeinen gern gefressen. Da diese jedoch hochwertiger und proteinhaltiger sind, sinkt im Gegenzug der Bedarf an Muskelfleisch.

Im Internet sind aber auch andere Zusammenstellungen zu finden

Je nach Informationsquelle werden leicht unterschiedliche Futterpläne empfohlen. Wir orientieren uns an einer bedarfsdeckenden Ernährung. Wie diese erreicht wird, ist weniger relevant als die Vermeidung schädlicher, d.h. massiver,  Über- oder Unterdeckungen. Eine exakte Gabe von jeweils genau 100% des benötigten Bedarfs ist mit natürlichen Futtermitteln nicht zu erreichen, zumal sowohl die genaue Zusammensetzung als auch der exakte Bedarf nicht bekannt sind. Das ist aber auch nicht notwendig, da Lebewesen von Natur aus dazu befähigt sind, mit unterschiedlichen und wechselnden Nahrungsquellen auszukommen. Die meisten benötigten Nährstoffe werden bei einem Überangebot entweder für lange Zeit gespeichert, um anschließenden Zeite mit niedrigerem Angebot überbrücken zu können. Oder überflüssige Mengen werden einfach ausgeschieden. Auch liegt die Toleranzmenge in vielen Fällen bei 50-x00% des Bedarfs. Alles was dazwischen liegt wird also langfristig toleriert.

Ein Weglassen einzelner Bestandteile wie Leber oder Knochen kann allerdings zu dramatischen Unterversorgungen führen!

Der Fettanteil sollte zwischen 15-25 % liegen. Es kann jedoch im Extremfall auch zwischen 10 und 50% liegen.

Wieviel Futter braucht mein Hund?

Als Futtermenge setzen wir zunächst 2% vom Körpergewicht des Hundes an. Junge und kleinere Hunde benötigen eher mehr (2-3%, Welpen etwa 4-6 %), große, ältere und kastrierte Hunde eher weniger Futter (1,8-2%). Der unterschiedliche Energiebedarf sollte außer bei Hunden im Wachstum soweit möglich durch eine Änderung des Fettgehalts ausgeglichen werden. Nur wenn das nicht ausreicht oder aus anderen Gründen nicht möglich ist, sollte die Gesamtfuttermenge deutlich von den üblichen 2% abweichen.

Nun können wir einen Futterplan für eine Woche erstellen.

Beispiel für einen 10 kg schweren Hund

Ein 10 kg schwerer Hund benötigt demnach in einer Woche etwa folgendes Futter:
  • Gesamtmenge: 1400g
  • tierischer Anteil: 1120g
  • pflanzlicher Anteil: 280g

Grob gerundete Aufteilung des tierischen Anteils:
  • Fleisch: 500g
  • Blut: 50g
  • Pansen: 100g
  • Blättermagen: 100g
  • Herz: 100g
  • Leber: 50g
  • Niere: 50g
  • rohe fleischige Knochen: 150g
Fleisch ist dabei eine abwechslungsreiche Mischung verschiedener Fleischsorten mit Knorpel- / Sehnenanteil. Wenn möglich sollte ein Teil in Form von Fisch, Eiern und eventuell Milchprodukten gegeben werden.

Der pflanzliche Anteil setzt sich zusammen aus etwa 40% grünem Gemüse / Kräutern, 40% sonstigem Gemüse und 20% Obst.

Futterplan mit Getreide

Bei Fütterung von Getreide wird die Gesamtmenge aufgeteilt in 75% tierischen Anteil, 15% püriertes Gemüse / Kräuter / Obst und 10% gekochtes Getreide. Die prozentuale Aufteilung in die tierischen Bestandteile bleibt dabei unverändert (s.o.).

Welche Ergänzungen werden noch benötigt?

Weitere notwendige Bestandteile sind Kochsalz, insbesonderen wenn kein Blut gefüttert wird, Lebertran als Vitamin-D-Lieferant und Meeresalgen als Jodlieferant. Bei Sporthunden, jungen und alten Hunden sowie Hunden mit sehr niedriger Futtermenge empfielt es sich Bierhefe zuzufüttern.

Für einen 10kg schweren Hund benötigen wir pro Woche etwa:
  • 1/4 - 1 TL Kochsalz
  • 1/2 TL Lebertran
  • 1/2 - 1 TL Meeresalgen
  • 1 - 4 TL Bierhefe